..und täglich grüßt das (Ge-)Murmeltier..

Samstag, 22:30 Uhr. Hauptbahnhof. Auch Familien mit Kindern reisen mal. In Ausnahmefällen, z.B. weil die letzte Bahn ausgefallen und diese Bahn Verspätung hat, auch mal zu unchristlichen Zeiten. Und dann kommt man eben auch mal nächtlich und abgekämpft nach Hause, das Kind auf dem Arm, den Rollkoffer hinter sich und freut sich schon aufs Bett – aber bis dahin gilt es gesellschaftliche, anscheinend hingenommene Hürden zu überwinden.

Der Bahnhofsvorplatz wimmelt von „buntem“ Volk; Partygänger, die fröhlich vorglühend auf Freunde warten, sich dabei „Alda, ich schwöre“ und „deine Mudda“-Sprüche entgegenbrüllen sind harmlos und verkraftbar – auch die Rücksichtslosigkeit kann man hierbei durchaus auf die postpubertären Strukturen schieben. Alles mit einem Seufzer verkraftbar. Da kann man eben nichts machen..

Doch eines scheint, zumindest der Mutter mit Kind, die sonst um diese Uhrzeit die letzte Bügelwäsche bei CSI-Miami zusammenlegt, neu: Das Raunen sexueller Anzüglichkeiten in gebrochenem Denglisch.

„Ficki Ficki“, und auch Drogen – nein, weder das eine noch das andere möchte die Mutter mit Kind auf dem Arm.

Wer jetzt glaubt, dass sie sich am Hauptbahnhof in Mannheim hilfe- und schutzsuchend nach Polizei oder KOD umschauen kann, der irrt. Niemand – nix – niente. Es scheint, als sei der Bahnhofsvorplatz bei Abwesenheit von Exekutive ein komplett rechtsfreier Raum geworden..

Es sei der Mutter gegönnt, darüber nachgedacht zu haben, warum sie sich hilf- und wehrlos gefühlt haben musste. Und auch der Gedanke, warum die dunklen Gestalten auch wirklich dunkel waren, warum niemand deutsch gesprochen hat, sondern all diese „Strukturen“ rund um den Bahnhof ganz offensichtlich neu zugezogene Mitbürger beherbergten.. Es ist doch ein sehr eigenartiger Zufall – oder nicht..?

Auch gegönnt sei der Mutter ihr eigenes Verhalten, was ein reines Schutzgesuch war – sie orientierte sich in ihren Bewegungen nicht daran, wo sie als nächstes hinwollte, sondern wo die nächsten Kameras waren – auch wenn dies ein Umweg auf dem Nachhauseweg bedeutete..

Alle Welt redet davon, dass Videoüberwachung orwellsche Zustände nach sich zöge – das könne man doch nicht vertreten, wird uns von grünlinks eingebleut – schließlich hätten doch ALLE Menschen ein Recht auf Nichtüberwachung.

Doch was ist mit ebendiesen soeben beschriebenen Personen, die Mutter, das Kind – haben die etwa kein Recht auf Überwachung und damit einhergehendes, wenigstens subjektives, Sicherheitsgefühl..?

Wir haben ein Problem, liebes Mannheim. Wir haben durch missverstandene Grundrechte nach dem Grundgesetz und der Angst vor Überwachung kriminelle Strukturen zugelassen und beim Schutz der Bürger dafür versagt. Wie rechtfertigen wir, dass sich der Kriminelle sicher, aber die Mutter mit Kind unsicher fühlt? Sollte es nicht eigentlich andersrum sein..?

Der Abend endete glücklicherweise sicher. Sowohl Mutter als auch Kind sind wohlbehalten, wenn auch mit Herzrasen, nach Hause gekommen. Die Fragen des Kindes jedoch, was fickificki bedeutet, warum der böse Mann so nah gekommen und nicht weggegangen ist, obwohl Mama das doch laut gesagt hat und was das weiße da in der kleinen Tüte war, diese Fragen, liebes Mannheim, sind noch offen.. Vielleicht ringt sich die Mutter ja dazu durch und erklärt ihrem Kind, dass das nur bedauerliche Einzelfälle waren. Wir wollen ja keine Angst schüren! Leben und Bedauerliche Einzelfälle im Quadrat.